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Interview mit David Ahlers, Stadt Oldenburg, Fachdienst Klimaschutz

Das Interview gibt Einblicke in die kommunale Wärmeplanung in der Stadt Oldenburg und den dazugehörigen Bürgerdialog, der von 2024 bis 2026 umgesetzt wurde. Es zeigt zentrale Herausforderungen im Prozess, Erfahrungen aus der Beteiligung sowie Erkenntnisse zur erfolgreichen Kommunikation und Umsetzung der Wärmewende vor Ort.

 

Guten Tag Herr Ahlers,

würden Sie uns bitte kurz etwas zu Ihrer Person sagen, welche Funktion Sie in der Stadt Oldenburg innehaben und für welche Themen Sie zuständig sind?
Ich bin seit 2023 im kommunalen Klimaschutz tätig und arbeite seit 2024 im Fachdienst Klimaschutz der Stadt Oldenburg. Dort bin ich unter anderem mit der (Umsetzung der) kommunalen Wärmeplanung befasst (gemeinsam mit einem Kollegen) und am Forschungsprojekt WärmewendeNordwest beteiligt.

Bezogen auf den Bürgerdialog im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung in Oldenburg würde uns interessieren:

  • Wann hat die Wärmeplanung bei Ihnen begonnen, wann wurde sie abgeschlossen? Welche zentralen Herausforderungen gab es, und wie sind Sie damit umgegangen? 
    Die Erstellung des Wärmeplans lief von Anfang 2024 bis November 2025. Der anschließende Dialogprozess lief dann bis zum Februar 2026. Herausfordernd war vor allem, dass es verwaltungsintern keine Erfahrung beim Thema Wärmeplanung gab. Gleichzeitig mussten wir uns durch eine große Menge an Daten arbeiten, von denen sich im Nachhinein nicht alles als notwendig erwiesen hat. Deswegen haben wir zunächst Wissen aufbauen müssen. Zudem wurde im Laufe des Prozesses wurde eine neue Stelle geschaffen.

    Ein weiterer zentraler Punkt war das Erwartungsmanagement – sowohl intern als auch extern. Wir mussten früh klarstellen, auf welcher Ebene sich die Wärmeplanung bewegt und was sie leisten kann und was nicht.
     
  • Bezüglich der Bürgerbeteiligung – wie sind Sie hierbei vorgegangen?  
    Während der Erstellung der Wärmeplanung haben wir vor allem auf Information und Erwartungsmanagement gesetzt. Nach Abschluss der technischen Ergebnisse haben wir einen breiten Dialogprozess gestartet. Ziel war es, die Ergebnisse zu erklären sowie Rückfragen, Sorgen und Anregungen in Bezug auf die Umsetzung der KWP aufzunehmen – nicht, die Planung grundlegend zu verändern. Kern waren sieben Veranstaltungen: eine zentrale Auftaktveranstaltung, fünf in den Stadtteilen und eine Online-Veranstaltung. Der Fokus lag klar auf persönlicher Beratung statt langen Vorträgen. Wir haben nicht den KWP-Prozess erklärt, sondern was die Ergebnisse für die Bürger:innen konkret bedeuten. Nach einem kurzen Input gab es ein Marktplatz-Format mit Ständen von Verbraucherzentrale, Handwerk (SHK-Innung), dem Netzbetreiber und der Stadtverwaltung.

    Ergänzt wurde der Dialog durch eine breite Kommunikation über Postwurfsendungen, Social Media, Pressearbeit, die Website, eine Kartenanwendung, einen Erklärfilm, Plakaten, sowie gezielte Formate für Multiplikator:innen. Die Erkenntnisse aus dem Dialogprozess werden in einem Bericht zusammengefasst und dem Stadtrat gemeinsam mit dem Ergebnisbericht der KWP vorgelegt. Die Maßnahmen aus der KWP wurden auf Grundlage der Erkenntnisse aus dem Dialog leicht angepasst
     
  • Welche Maßnahmen haben gut funktioniert und welche eher nicht? 
    (Falls sich diese Frage auf den Dialog bezieht) Gut funktioniert hat alles, was konkret und nah an den Menschen war: viel persönliche Beratung, Veranstaltungen in den Stadtteilen und klare Aussagen zu zukünftigen Wärmeversorgungsoptionen. Auch die Einbindung von Best-Practice-Beispielen und dem lokalen Handwerk war sehr hilfreich. Ohne das mit konkreten Daten belegen zu können, haben wir augenscheinlich nur eine relativ homogene Zielgruppe (Menschen >50 Jahre mit Einfamilienhäusern) erreicht. Hier gibt es Optimierungspotenzial.

 

 

  • Welche Tipps würden Sie Kommunen geben, um mit Bürger*innen bei der Wärmeplanung in den Dialog zu gehen und sie für die Umsetzung der Wärmewende (z. B. Anschluss an ein Wärmenetz, Heizungstausch etc.) zu gewinnen? 
    Die Bundesgesetzgebung versucht einen möglichst technologieoffenen Rahmen zu formulieren. Mit der Wärmeplanung haben die Kommunen nun die Chance, den Bürger:innen konkrete und verständliche Empfehlungen für die zukünftige Wärmeversorgung vor Ort zu geben. Wichtig sind klare Aussagen zu Versorgungstechnologien, die (kurzfristig) nicht zur Verfügung stehen werden, auch wenn sie gesetzlich zulässig sind, z.B. 

    - Planung und Bau eines neuen Wärmenetzes in einem Bestandsquartier dauern sehr lange, deswegen ist dies häufig keine kurzfristige Lösung und Bürger:innen sollten darauf nicht warten

    - Umstellung des Erdgasnetzes auf Wasserstoff 

    Stattdessen sollte klar benannt werden, welche Lösungen aktuell realistisch und wirtschaftlich sind, was meist die Wärmepumpe ist. In der Kommunikation sollte dabei darauf geachtet werden, dass die dezentrale Versorgung nicht die schlechtere Lösung ist. Ergänzend braucht es persönliche, unabhängige Erstberatung z.B. durch die Verbraucherzentrale oder durch die Kommune selbst. Wir haben zudem sehr gute Erfahrungen mit der Einbindung des lokalen Handwerks, in Form der SHK Innung, sowie Best-Practice-Beispielen aus der Bürgerschaft gemacht.
     
  • Was hat Sie im Kontakt mit den Bürger*innen am meisten überrascht? 
    Die grundsätzliche Akzeptanz für die Wärmewende war größer als erwartet, solange sie gut erklärt ist. Bürger:innen wollen zwar auf der einen Seite keine strikten Vorgaben zu Heizsystemen, auf der anderen Seite aber schon klare Empfehlungen für ein Heizsystem. Zudem war die Hoffnung auf Wärmenetze kleiner als erwartet.
     
  • Wenn Sie noch einmal von vorn starten würden, was würden Sie anders machen?
    Ich würde den Prozess stärker vereinfachen und mehr vorhandene Datenmodelle zum Gebäudebestand nutzen, statt aufwendig eigene Datengrundlagen aufzubauen. 
    Die gewonnene Zeit würde ich eher in die Ausarbeitung konkreter Maßnahmen mit beteiligten Akteuren und eine bessere Vorplanung von Wärmenetzeignungsgebieten investieren, inklusive fundierterer Potenzialanalysen.

 

Wir danken David Ahlers für das Interview!