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Ein Nahwärmenetz in Bürgerhand vor Ort erleben

Das HEAT it! Projekt zu Besuch bei der Energie Wasenberg eG

Am 11. März 2026 besuchten das HEAT it! Projektteam sowie Kolleg*innen vom Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) die kleine Gemeinde Wasenberg bei Treysa, unweit von Kassel. Ziel des Besuchs war es, die Erfahrungen der örtlichen Genossenschaft von der ersten Idee über die Planung bis hin zur Umsetzung eines Nahwärmenetzes kennenzulernen. Darüber hinaus sollten Impulse für die Entwicklung von Hilfen, Instrumenten und Vorgehensweisen gewonnen werden, die sich möglicherweise auf weitere kleinere Kommunen übertragen lassen.

Bereits bei der Ankunft in Treysa wurde deutlich, dass in Wasenberg die Energiewende aktiv gelebt wird: Die Gastgeber Heinz Heilemann und Erich Korell holten uns in ihren Elektrofahrzeugen ab und brachten uns zum Sitz der Genossenschaft, an dem sich zugleich die Heizzentrale befindet. Die Energie Wasenberg eG wurde im Jahr 2014 gegründet; am 10. Juni 2016 wurde das Nahwärmenetz offiziell fertiggestellt. Zum Stand Ende 2025 zählt die Genossenschaft 276 Mitglieder, versorgt 297 Gebäude über ein 14,4 km langes Leitungsnetz mit Wärme und setzt jährlich etwa 7,2 Mio. kWh Wärmeenergie um.

Nach einem kräftigen Imbiss mit regionalen Spezialitäten präsentierten die Gastgeber die Entstehungsgeschichte des Projekts, die Planungs- und Finanzierungsprozesse, die technische Auslegung sowie ihre praktischen Erfahrungen, die sie Interessierten aus anderen Kommunen gerne weitergeben.

Im Rahmen des Besuchs erfolgte zudem ein Abstecher zum Großabnehmer Aquahaus Gaus Buntbarsch-Zucht. Dort konnten neben den Zuchtfischen auch die Hausübergabestation besichtigt werden, über die nicht nur die Wärmeversorgung, sondern zugleich auch die Warmwasserversorgung der Zuchtbecken erfolgt.

Neben technischen und wirtschaftlichen Fragestellungen stand insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie die Menschen vor Ort zur Mitwirkung an einer Gründungsinitiative motiviert werden können und wie es gelingt, Hausbesitzende, Gewerbetreibende sowie kommunale Einrichtungen als Anschlussnehmer für ein Wärmenetz zu gewinnen.

Der Erfolg der Genossenschaft wurde unter anderem dadurch begünstigt, dass über bestehende Kontakte und Netzwerke auf Erfahrungen aus zahlreichen erfolgreich realisierten Bioenergiedörfern in Nordhessen zurückgegriffen werden konnte. Im Folgenden werden – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – zentrale Erfolgsfaktoren zusammengefasst, die aus dem Besuch in Wasenberg hervorgegangen sind:

  • Unterstützung durch die Kommune sicherstellen. Engagierte Landräte und Bürgermeister, die Projekte aktiv vorantreiben, sind von großer Bedeutung für den Erfolg. Entscheidungsträger sollten Vertrauen in Bürgerenergieakteure haben und eine Gründungsinitiative wohlwollend begleiten. Dabei sollte die Genossenschaft bei der Gründung und während des gesamten Projekts die Fäden in der Hand behalten. Die Kommune kann administrativ unterstützen, indem sie z. B. Pläne zur Verfügung stellt oder Straßen für die Verlegung von Wärmeleitungen freigibt. Oder sie unterstützt bei der Finanzierung, indem sie z. B. für einen Kredit zur Errichtung eines Wärmenetzes bürgt.  
  • Gründungsinitiative aufbauen. Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung (z. B. im Kontext der kommunalen Wärmeplanung) sollte die Möglichkeit zur Bildung einer Gründungsinitiative kommuniziert werden, die durch die Kommune unterstützt wird. Im Vorfeld empfiehlt es sich, Einladungsschreiben an alle Haushalte zu verteilen und mit den Menschen zu sprechen, um Neugier zu wecken und sie zu motivieren, die Veranstaltung zu besuchen.
  • Ausreichend Anschlussnehmende gewinnen, um das Netz wirtschaftlich tragfähig zu gestalten. In Wasenberg hat sich hierfür ein Fragebogen bewährt, der im Rahmen der dritten Informationsveranstaltung an Interessierte ausgegeben wurde, um den durchschnittlichen Wärmebedarf pro Haushalt zu erfassen. Ein positiver Nebeneffekt besteht darin, dass sich potenzielle Anschlussnehmende intensiver mit ihren tatsächlichen Heizkosten auseinandersetzen, während die Genossenschaft gleichzeitig wichtige Planungsdaten erhält. Wichtig ist auch die Frage: “Würden Sie sich ans Netz anschließen, wenn die jährlichen Heizkosten nicht über denen einer Ölheizung liegen?” Verbindliche Zusagen sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht erforderlich. Ergänzend wurden in Zusammenarbeit mit einer Sparkasse Anreize geschaffen, etwa durch die Finanzierung der Genossenschaftseinlage mittels Bankdarlehen sowie durch Angebote zur Entsorgung von Öltanks.
  • Mit regionalen Partnern zusammenarbeiten. Dies betrifft sowohl die Planung des Wärmenetzes als auch die technische Umsetzung. Große überregionale Anbieter verfolgen häufig primär das Ziel, ihre Produkte und Dienstleistungen mit entsprechenden Margen zu verkaufen, und berücksichtigen lokale Besonderheiten nicht immer ausreichend. Durch die Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren, die bekannt und vertrauenswürdig sind, können passgenauere Lösungen entwickelt werden. Zudem müssen nicht alle Leistungen zu Marktpreisen extern eingekauft werden: Durch Peer-to-Peer-Lernen sowie den Austausch mit erfolgreich geführten Genossenschaften können sich Mitglieder einer Gründungsinitiative grundlegendes Wissen aneignen und so beispielsweise Beratungskosten reduzieren.
     

Und wie stellt sich die Situation der Genossenschaft in Wasenberg heute dar? Einige derjenigen, die sich zunächst gegen einen Anschluss an das Nahwärmenetz entschieden hatten, haben sich zu einem späteren Zeitpunkt – sofern dies im Rahmen der Netzauslegung noch möglich war – doch angeschlossen. Alle Anschlussnehmer sind Unternehmer, Kunden, Genossen, und bezahlen daher pünktlich ihre Rechnungen. Durch die Genossenschaft hat sich auch etwas im Zusammenleben der Gemeinde mit 1.460 Einwohnern verändert: Als wir uns am Bahnhof in Treysa am frühen Abend bei unseren herzlichen Gastgebern bedankten und verabschiedeten, sagte Heinz Heilemann noch: „Wir sind der neue Gesangsverein, wir bringen das Dorf zusammen.“