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„Packs drauf!“ – Kommunikation für mehr PV auf deutsche Dächer

Erderwärmung und Klimaschutz – das sind Themen, die nicht nur unsere Umwelt, sondern auch unsere Denkweise prägen. Fakten sind dabei unerlässlich, jedoch nur der erste Schritt, um Menschen zum aktiven Handeln zu bewegen. Es braucht eine unverfälschte Kommunikation, um eine breite öffentliche Zustimmung für den drängenden Wandel in unserer Gesellschaft zu bekommen. Dabei ist es entscheidend, dass möglichst viele die Chance bekommen, an der Umgestaltung teilzuhaben.

 

Die Stadt Aachen, Heimatort des Solarenergie-Fördervereins (SFV) Deutschland, gehört zu den ersten europäischen Kommunen, die dem Klima-Bündnis-Netzwerk beigetreten sind. Das war 1992 – also vor mehr als 30 Jahren. Die Stadt identifizierte sich damals mit dem Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 zu halbieren. Erreicht wurde dieses Ziel leider nicht, denn bis 2020 konnten die Pro-Kopf-Emissionen nur um 32 % verringert werden. Aber immerhin. In den frühen neunziger Jahren entwickelten wir hier in Aachen die Idee der kostendeckenden Vergütung (kV) für netzeingespeisten Solar- und Windstrom. Wir diskutierten mit unseren Mitgliedern, formulierten Bürgeranträge und brachten diese aktiv in den Stadtrat ein. Das waren damals hitzige, von enormem Tatendrang und Enthusiasmus geprägte Zeiten. Auch in vielen anderen Städten in Deutschland folgte man dem Aachener Beispiel, und der Erfolg des bürgerschaftlichen Engagements ließ nicht lange auf sich warten. 

1995 schafften es Klima-Engagierte zunächst in Freising, den Durchbruch für die kV zu schaffen; Aachen zog nach, und in den nächsten Jahren kamen mehrere Dutzend Kommunen hinzu, in denen jede netzeingespeiste Kilowattstunde Solar- und Windstrom mit rund 2 DM vergütet wurde. Der wirtschaftliche Betrieb von privaten EE-Anlagen war plötzlich möglich – eine Revolution für die dezentrale Energiewende und gleichzeitig Impulsgeber für das Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Der Umbau unserer Energieversorgung konnte Fahrt aufnehmen. 

Heute – mehr als 30 Jahre später – blicken wir beim Ausbau der Erneuerbaren und der klimafreundlichen Transformation auf Höhen und Tiefen. Gerade die diesjährigen Debatten haben deutlich gemacht, wie komplex Klimaschutz in allen Sektoren – Wärme, Strom, Verkehr und Industrie – sein kann. Das Gebäudeenergiegesetz – das wichtigste Gesetz zur Wärmewende – wurde sogar für Angstkampagnen instrumentalisiert. Kontroverse Positionen spalteten die politischen Lager und polarisierten die gesamte Gesellschaft. Angesichts der drängenden Probleme – der dramatischen Erderhitzung, der weltweiten Krisenherde und der steigenden Rohstoff- und Energiepreise – ist dies besonders einschneidend. Die Menschen müssen verstehen, dass die Verbrennung von Gas, Öl und Kohle unsere Lebensgrundlagen zerstört. Aber anders als uns das rechtspopulistische Lager erklärt, gibt es immer mehr Menschen, die engagiert Klimagerechtigkeit fordern und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten möchten.

Die Energiewende zu Hause, in den Städten und Dörfern verändert Lebensgewohnheiten und Lebensräume, und sie kostet Geld. Hier darf man die Bürger*innen nicht allein lassen, vor allem dann, wenn Energiearmut herrscht oder die Klimakrise hart zuschlägt. Im Ahrtal, wo nach der verheerenden Flutkatastrophe der Umstieg auf eine erneuerbare Wärmeversorgung so dringend gewesen wäre, blieben von Bundes- und Landesregierung zielgerichtete Fördergelder aus. Unser Verein hat sich hier sehr engagiert, leider bislang mit wenig Erfolg. 

Klimaschutz als kommunale Pflichtaufgabe ist weder Makel noch Last, doch mit Sonntagsreden ist nicht viel zu erreichen. Die Energiewende bleibt „Handarbeit“. Hier kann die Kommune helfen. Bürgerinnen und Bürgern brauchen Erklärungen, wie sie Teil der Energiewende werden können – durch eigene Investments, durch Beteiligung an Bürgerprojekten, und indirekt durch kommunale Zusatzeinnahmen, die allen zugutekommen. Deshalb sollten Probleme beim Netzanschluss von EE-Anlagen, Stolpersteine bei der Genehmigung – vor allem im Denkmalschutz – und Lücken bei der Beratung der Bürger*innen zügig angegangen werden. 


Wir haben zwei aktuelle Projekte, wo wir Bürger*innen und Kommunen bei der Energiewende unterstützen:

  • Mit unserer Initiative „packsdrauf“ möchten wir die Informationen zur Photovoltaik in die Nachbarschaft bringen. Wir bilden ehrenamtliche Solarbotschafter*innen aus, die in den Kommunen direkt bei den Menschen Beratungen anbieten. Gastgeber*innen mit eigener Solaranlage öffnen hierfür die Türen und laden die Botschafter*innen und die Nachbarschaft zu ihrer “Solarparty” ein. Die Kampagne läuft seit einem Jahr sehr erfolgreich. Sie wurde sogar mit zwei wichtigen Preisen geehrt - dem K3-Preis für Klimakommunikation, und dem Deutschen Solarpreis 2023. Schon mehrere Städte haben sich gemeldet, um „Packsdrauf-Kommune“ zu werden und die Bewegung vor Ort anzukurbeln. In Aachen unterstützt die Stadtverwaltung unsere „Solarpartys“ finanziell und ideell.
  • Wir haben in diesem Jahr der Bundesregierung eine Konzeptidee zum “Nachbarschaftsstrom” unterbreitet. Sie komplettiert die deutschen und europarechtlichen Bemühungen zum “Energy Sharing”, indem sie allen Bürger*innen die Möglichkeit eröffnet, regional Solarstrom zu verkaufen – ohne bürokratische Hürden, quasi über den Gartenzaun, wenn kein eigenes Solardach möglich ist. Auf diese Weise könnte auch die Nachbarschaft von den günstigen Preisen des vor Ort erzeugten Solarstroms profitieren. Die PV-Investor*innen ihrerseits werden bestrebt sein, das geeignete Sonnendach voll zu belegen. Für die Energiewende wäre das eine Win-Win-Situation. Unsere Idee stößt in Berlin auf Interesse. Wir hoffen, sie in ein weiteres Solarpaket einspeisen zu können.


Mit diesen zwei Projekten und unserer Beratung für PV auf Mehrfamilienhäusern möchten wir als gemeinnütziger Verein weiterhin einen aktiven Beitrag leisten, Menschen über den Klimaschutz miteinander zu verbinden. Dazu werben wir gern bundesweit um Unterstützung unserer Arbeit.

 

Kontakt: Susanne Jung, Geschäftsführerin, Vorstand – Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV), Tel.: 0241-511616, zentrale@sfv.de

Website: www.sfv.de