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Interview | Mit Erik Hagelskjær Lauridsen, Senior Consultant Gebäudemodernisierung, Stadt Kopenhagen

Mit einer „Energie-Akademie“ haben Erik und sein Team ein Netzwerk und eine Anlaufstelle für die Energiewende in Kopenhagen aufgebaut. Die „Akademie“ fördert die Vernetzung innerhalb der Verwaltung (z. B. zu Stadterneuerung, sozialem Wohnen), aber auch zwischen interessierten Bürger*innen und Energiewende-Akteuren. Ziel ist es, dass die unterschiedlichen Akteure voneinander lernen, für verschiedene Perspektiven Verständnis entwickeln, Wissen aufbauen und zusammenarbeiten. Die Akademie ist darüber hinaus Anlaufstelle für Bürger*innen, die etwas bewegen möchten. Sie erfüllt auch eine soziale Funktion, da sie die Bedürfnisse und Ideen der Bürger*innen erst nimmt und sie beratend unterstützt, grüne Projekte bzw. Energiegemeinschaften selbst auf den Weg zu bringen.

 

Hallo Erik. Schön, Dich wiederzusehen. Würdest Du bitte unseren Leser*innen kurz erklären, wer Du bist, wo Du bei der Stadt Kopenhagen arbeitest und welche Rolle und Funktion Du in der Stadtverwaltung hast?

Ich arbeite mit meinem Team in der Abteilung für „Gebäudemodernisierung“ innerhalb der Technik- und Umwelt-Verwaltung der Stadt Kopenhagen, wo wir uns hauptsächlich auf die Initiierung von Maßnahmen und die Entwicklung von Projekten im Zusammenhang mit der Grünen Transformation konzentrieren. Im Moment beschäftigen wir uns vor allem mit Projekten zur erneuerbaren Energieerzeugung, aber unser Schwerpunkt reicht von Projekten der Kreislaufwirtschaft in traditionellen Nachrüstungsprojekten über die Förderung der Installation von Solarzellen bis hin zur Entwicklung neuer, Portfolio-basierter Geschäftsmodelle zur Unterstützung neuer Energielösungen in den alten Gebäuden der Stadt.

Unsere Abteilung heißt „Gebäudemodernisierung“, weil es bei uns darum geht, die Alltagsarchitektur der Stadt Kopenhagen zu erhalten und zukunftssicher zu machen, damit wir den Bürger*innen intakte und sichere Wohnungen bieten können. Wir arbeiten insbesondere im Bereich der Wohngebäude. Ich bin ein Senior Consultant in dieser Abteilung. Bevor ich in dieses Team kam, arbeitete ich als Associate Professor für Umweltplanung an der Universität Aalborg. Ich bin Co-Leiter des Teams für die Grüne Transformation in der Abteilung für Gebäudemodernisierung. Außerdem arbeite ich als Projektleiter für einige der größeren Projekte.


In der Stadt Kopenhagen hast Du und Dein Team eine Energieakademie CPH entwickelt, um die Gründung von Energiegemeinschaften zu unterstützen? Was sind die Ziele dieser Akademie?

Die Hauptziele sind: 

  • Uns selbst – das heißt uns und unsere Kolleg*innen – in die Lage zu versetzen, den Bürger*innen vor Ort technische und organisatorische Unterstützung zu bieten.
  • Brücken zu bauen zwischen kommunalen Abteilungen, die im Bereich der gebäudebezogenen Energiewende arbeiten, wie z.B. PV-Anlagen, Heizungsanlagen, Energiesparen usw. 
  • Schaffung eines Netzwerks für den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen verschiedenen Akteuren, die an der Entwicklung von Energiegemeinschaften (EG) interessiert sind. 
  • Letztlich streben wir einen deutlichen Ausbau von EGs in unserer Region an, und die Energieakademie gibt uns die Möglichkeit, die örtlichen Initiativen von Bürger*innen und lokalen Organisationen zu unterstützen.  

In Dänemark ist es eine ziemliche Herausforderung, in den Städten EGs auf kleinerem Level zu entwickeln – aufgrund der Steuern und der bestehenden Energiegesetzgebung. Mit dieser Akademie wollen wir unser Wissen über dieses relativ neue Thema unter die Menschen und Organisationen bringen und mit ihnen besprechen, welche Potentiale es für EGs in Kopenhagen gibt und welche Optionen zur Verfügung stehen, um sie zu entwickeln. Wir wollen auch herausfinden, welche Unterstützung und welche Instrumente diese Akteure benötigen, um hier EGs zu gründen. Ebenso müssen wir von den Akteuren lernen und das lokale Wissen zu diesem Thema sammeln. Das bedeutet, dass wir uns z. B. mit den Verteilnetzbetreibern austauschen müssen, um mehr über die Möglichkeiten zur Integration von EGs in das dänische Energiesystem bzw. Stromnetz zu erfahren.


Seit wann gibt es Eure Akademie?

Wir haben die Akademie am 29. September gegründet – sie ist also ziemlich neu. Die Akademie ist eng mit der Klima-Taskforce verbunden. Diese Taskforce koordiniert Abteilungen innerhalb der Verwaltung, die in den verschiedenen Bereichen der Grünen Transformation arbeiten.


Warum wurde die Akademie gegründet?

Politisch motiviert wurde sie durch die Grüne Agenda, die Reduktion von CO2-Emissionen und durch den Klimaaktionsplan der Stadtverwaltung. Außerdem wollten wir mehrere bereits laufende Aktivitäten miteinander verbinden. Und ein Grund dafür war auch unsere Mitarbeit im LIFE-BECKON-Projekt, das uns motiviert und inspiriert hat, in diese Richtung zu arbeiten.

Als wir hier 2022 mit dem Life-BECKON-Projekt starteten, sagten uns lokale Akteure, dass es sehr schwierig sei, in Kopenhagen PV-Anlagen zu installieren, da die Anlagen zu klein seien und es sich daher nicht lohne, sie auf die Dächer zu bringen. Das hat uns gezeigt, dass es notwendig ist, die strategischen Akteure in den Prozess einzubinden und von ihnen zu lernen. Mehrere Bürger*innen und Organisationen sind gerade dabei, EGs zu gründen. Wir versuchen nun herauszufinden, wie wir als Stadtverwaltung diese Akteure unterstützen können, dass sie enger zusammenzuarbeiten.


Welche Art von Dienstleistungen oder welche spezifische organisatorische oder technische Unterstützung bietet Ihr an?

Menschen, die zu uns kommen und sagen: "Wir wollen eine PV-Anlage auf unseren Dächern installieren" oder “Wir wollen erneuerbare Energien auf lokaler Ebene nutzen” möchten wir unterstützen. Wir können sie zwar nicht hinsichtlich spezifischer technischer Lösungen oder Anlagen beraten, aber wir können Ihnen einen Überblick geben und Ihnen in den weiteren Prozess-Schritten helfen. Die Energieakademie möchte einen guten „Instrumentenkasten“ für die Bedürfnisse unserer Bürger*innen und lokalen Akteure anbieten.

Um die Transformation zu beschleunigen, müssen wir die lokalen Strukturen der Stadt, wie z. B. die Nachbarschaftsräte, in die Lage versetzen, sich sowohl bei der Ausarbeitung lokaler Pläne als auch bei der Unterstützung der Umsetzung in verschiedenen lokalen Kontexten stärker zu engagieren. Hier verfügt die lokale Ebene bereits über starke Netzwerke.


Kannst Du ein oder zwei Beispiele für Eure aktuelle Arbeit nennen?

Ein Beispiel ist eine Workshop-Reihe mit Energieexperten aus dem sozialen Wohnungsbau, in denen wir mögliche Ansätze und Szenarien für die Durchführung von EG-Projekten für einen bestimmten Stadtteil besprechen. 

Wir arbeiten eng mit der Abteilung für Stadterneuerung zusammen. Deren Ansatz besteht darin, ein Quartier für einen Zeitraum von fünf Jahren auszuwählen und sich dann persönlich in das Quartier zu begeben und eng mit den Bürger*innen und Organisationen der örtlichen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten. Wir haben vier Kollegen, so genannte "Klimamitarbeiter", die in diesen Stadterneuerungsgebieten arbeiten, wo sie gemeinsam mit den Bürgern lokale Aktionsgruppen gründen, die an bestimmten, von ihnen selbst gewählten Themen arbeiten. Wir planen, diese Kollegen "auszubilden", damit sie den Menschen Möglichkeiten zur Gründung von EGs aufzeigen und ihnen sagen können: "Wenn Ihr an EGs interessiert seid, könnt Ihr euch an die Energieakademie wenden, dort erhaltet Ihr Hilfe und Unterstützung."  Wir arbeiten also sehr bürgernah und gleichzeitig versuchen wir mit anderen Abteilungen zusammenzuarbeiten, um Synergien zu schaffen.


Kannst Du Kolleg*innen, die ein ähnliches Büro oder eine Energieakademie in ihrer Region einrichten wollen, ein paar Tipps dafür geben?

Wir bieten moderierte Foren an, die sehr gut angenommen werden, in denen verschiedene Interessengruppen mit spezifischem Wissen voneinander lernen können, und wo auf der anderen Seite auch wir aus der Verwaltung viel dazu lernen. EGs sind ein relativ neues Thema, zumindest in Kopenhagen. Daher haben wir jetzt noch viel Spielraum, um zu definieren, welche Rolle die öffentliche Verwaltung in diesem Prozess spielen könnte. Darüber hinaus lernen wir andere Perspektiven kennen, erfahren von den lokalen Akteuren und Bürger*innen, woran sie arbeiten, was ihre Ziele sind und – ganz wichtig – was sie besser wissen und können als wir!


Ihr beteiligt Euch zusammen mit 7 anderen europäischen Organisationen, darunter das Klima-Bündnis, am LIFE BECKON-Projekt (s. Artikel). In ein oder zwei Sätzen: Warum sollten sich andere Kommunen für die Teilnahme am BECKON-Projekt bewerben? Welchen Nutzen haben sie von einer Teilnahme?

BECKON wird uns allen einen spezifischen „Instrumentenkasten“ für die Entwicklung von EGs an die Hand geben, mit dem wir unsere Bürger*innen und lokalen Akteure unterstützen können. BECKON wird für jeden Prozess-Schritt in der Entwicklung einer EG konkrete Werkzeuge bereitstellen.

Darüber hinaus profitiert man vom Wissen und von den Erfahrungen vieler Kolleg*innen oder Expert*innen aus anderen Regionen oder Ländern, die mit ähnlichen Situationen konfrontiert waren oder es noch sind. Das ist sehr inspirierend und ermöglicht es, die eigene lokale Situation zu reflektieren und daraus Erkenntnisse für die Entwicklung von Energiegemeinschaften im eigenen Einflussbereich zu gewinnen. So hat uns beispielsweise das Büro für Energiearmut in Sofia, das unser BECKON-Partner – die Energieagentur SOFENA – betreibt, dazu angeregt, über unsere lokale Agenda nachzudenken und sie auch in dieser Hinsicht konkret weiterzuentwickeln.
 

Wir danken Erik und seinem Team – besonders Asta und Eik – für das Interview.
Das Interview führte Edgar Bazing auf Englisch.

Kontakt: Erik Hagelskjær Lauridsen

Mehr Informationen zum LIFE-BECKON Projekt