Aktuelles
Erste KlimaPlus-Siedlung in Crailsheim: Quartiersansatz verbindet Geothermie, kalte Nahwärme und Photovoltaik
Mit dem zweiten Bauabschnitt der Grundwegsiedlung im Crailsheimer Stadtteil Altenmünster verfolgt die Stadt Crailsheim ein ambitioniertes Ziel: die Entwicklung der ersten KlimaPlus-Siedlung der Stadt. Im Mittelpunkt steht ein integriertes Energieversorgungskonzept, das oberflächennahe Geothermie, kalte Nahwärme, dezentrale Wärmepumpen und Photovoltaik miteinander kombiniert.
Das rund zehn Hektar große Neubaugebiet am südlichen Stadtrand ist in zwei Bauabschnitte gegliedert. Während der erste Bauabschnitt bereits umgesetzt wurde, befindet sich der zweite derzeit in der Erschließung. Für diesen Abschnitt wurde ein innovatives Wärme- und Kältekonzept entwickelt, das künftig rund 40 Gebäude versorgen soll. Dazu gehören Ein- und Zweifamilienhäuser, Hybridhäuser, Modulhäuser, ein Doppelhaus sowie ein Altenheim und eine Kindertagesstätte.
Frühzeitige Verankerung von Klimaschutz in der Quartiersentwicklung
Die Planungen für die klimaneutrale Energieversorgung entstanden bereits vor der Erstellung des Kommunalen Wärmeplans. Ihren Ursprung haben sie in den klimapolitischen Zielsetzungen der Stadt, die im Rahmen des Klimaschutzkonzepts angestoßen wurden.
Bereits 2018 wurde der städtebauliche Entwurf der Grundwegsiedlung im Gemeinderat vorgestellt. In diesem Zusammenhang entstand die Idee, das neue Quartier mit einem eigenen Energie- und Klimaschutzkonzept auszustatten. Anfang 2019 starteten Stadt und Stadtwerke gemeinsam die konzeptionelle Arbeit. Eine studentische Untersuchung zum Einsatz eines kalten Nahwärmenetzes bildete dabei eine wichtige Grundlage. Das Konzept wurde anschließend von den Stadtwerken weiterentwickelt und 2020 dem Gemeinderat vorgestellt. Parallel dazu erfolgte der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan.
Der kontinuierliche Austausch zwischen Stadtverwaltung und Stadtwerken spielte während der weiteren Planung eine zentrale Rolle – etwa bei der Flächensuche oder bei Fragestellungen zur Ausgestaltung des Versorgungssystems.
Kalte Nahwärme als gemeinschaftliche Energieinfrastruktur
Kern des Konzepts ist ein kaltes Nahwärmenetz, das vollständig durch eine gemeinschaftliche oberflächennahe Geothermie-Anlage gespeist wird. Die Energie stammt aus einem Erdwärmekollektor südlich des Baugebiets. Von dort wird sie über das bereits verlegte Netz zu den einzelnen Gebäuden transportiert.
Die Netztemperatur bewegt sich saisonal zwischen 0 und 25 Grad Celsius. Die für Heizung und Warmwasser benötigte Temperaturanhebung erfolgt dezentral über Wärmepumpen in den jeweiligen Gebäuden. Sämtliche Komponenten der Wärmepumpen werden innerhalb der Gebäude installiert, sodass keine Außeneinheiten erforderlich sind. Zusätzlich eröffnet das System die Möglichkeit, Gebäude in den Sommermonaten zu kühlen.
Doppelte Flächennutzung durch Geothermie und Photovoltaik
Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die Kombination von Geothermie und Solarenergie auf derselben Fläche. Der Erdwärmekollektor soll zu etwa zwei Dritteln mit einer Freiflächen-Photovoltaikanlage überbaut werden. Die verbleibende Fläche kann weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden.
Die Photovoltaikanlage dient insbesondere der Stromversorgung der dezentralen Wärmepumpen. Durch die Mehrfachnutzung der Fläche wird eine hohe Flächeneffizienz erreicht und die lokale erneuerbare Energieerzeugung gestärkt.
Integrierte Wärme- und Kälteversorgung mit intelligenter Steuerung
Über die reine Wärmeversorgung hinaus ist das System auch für die Kältebereitstellung ausgelegt. Wärme und Kälte werden dabei über ein gemeinsames Zweileiternetz bereitgestellt. Ergänzend ist eine abgestimmte Betriebsweise von Wärmepumpen und Photovoltaikanlage vorgesehen. Ziel ist eine möglichst hohe Nutzung des vor Ort erzeugten Solarstroms. Unterstützt werden soll dies durch intelligente Laststeuerung sowie Pufferspeicher in den einzelnen Gebäuden.
Der Bau des Erdwärmekollektors ist für 2027 vorgesehen, die Errichtung der Photovoltaikanlage für 2028. Mit dem Vorhaben verfolgt die Stadt Crailsheim das Ziel, ihre erste KlimaPlus-Siedlung zu realisieren und gleichzeitig ein zukunftsfähiges Modell für die Energieversorgung in Neubaugebieten zu etablieren.
Mehr Informationen:
Kontakt:
Stadtwerke Crailsheim GmbH
Frau Eva Reu
Tel. 07951/305 373
eva.reu@stw-crailsheim.de
Herr Ron Hilgart
T: 07951/305 372
ron.hilgart@stw-crailsheim.de
Wollen Sie mehr erfahren?
Kontaktieren Sie uns hier oder per Telefon unter +49 69 71 71 39-48
für weitere Informationen