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Energiewende entfesseln – Das starke Zusammenspiel von Kommunen und Bürgerenergie

Wie Kommunen und Bürgerenergiegemeinschaften ihre Ressourcen bündeln und damit die Energiewende voranbringen

 

Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch hin zu einer dezentralen und erneuerbaren und resilienteren Energieversorgung. Damit verbunden ist sowohl eine technologische als auch gesellschaftliche Wende. Der Handlungsdruck auf die Kommunen wächst. Die Nachfrage nach Flächen ist derzeit sehr hoch, zum Beispiel für Windparks und Photovoltaik (PV)-Freiflächen. Das Solarpaket, das im August 2023 vom Bundeskabinett beschlossen wurde, enthält Maßnahmen, mit denen der Zubau von PV-Freifläche beschleunigt und die Beteiligung von Bürger*innen gestärkt wird. Eine zentrale Frage ist hier, wie sich die Kommunen bei der Gestaltung ihrer Region und Flächen selbst proaktiv einbringen wollen. Sie können zum Beispiel bei PV-Freifläche wichtige Treiber und Gestalter sein, indem sie durch einen angebotsbezogenen Bebauungsplan bestimmen, wo sie PV-Freiflächen haben möchten und dafür das Baurecht schaffen und/oder die Flächen sichern und zur Verfügung stellen. 

Gleichzeitig zeigen viele Kommunen, dass lokale Energieprojekte in mehrfacher Hinsicht eine Chance für Kommunen darstellen. Dezentrale Energieprojekte nutzen die lokalen Ressourcen, produzieren günstig PV- und Windstrom und stärken die regionalen Wirtschaftskreisläufe. Kommunen sind rechtlich zum gemeinwohlorientierten Wirtschaften verpflichtet. So gewinnt ein sozial gerechter und ökologisch verträglicher Ausbau erneuerbarer Energien für sie an besonderer Bedeutung. Frühzeitiges Einbinden der Bürger*innen, finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten sowie Mitbestimmung haben sich hier als Erfolgsfaktoren bewährt. Aktives Handeln z.B. bei der wichtigen Flächensicherung bedeutet für Kommunen sicher erst einmal mehr Arbeit. Es erfordert auch fachliche Expertise und Kapazitäten, die oft nicht in den Kernverwaltungen vorhanden sind. Hier können Bürgerenergiegemeinschaften gute Partner sein, sie bündeln die Kompetenz der Bürgerbeteiligung und des gemeinwohlorientierten Wirtschaftens und verfügen über energiewirtschaftliche und technische Expertise. 

Die gemeinsame Umsetzung von Bürgerenergieprojekten hat viele Vorteile. Menschen können ohne hohe Hürden an der Energiewende direkt teilnehmen. Energieprojekte in Bürgerhand stärken die lokale Wertschöpfung mit Milliardeninvestitionen und bringen vor Ort vielfältigen gesellschaftlichen Nutzen. Die Energiewende ist ein wichtiger Jobmotor. Die Investitionen in lokale Bürgerenergieprojekte bleiben zum größten Teil im lokalen Wirtschaftskreislauf, statt in globale Finanzströme abzufließen. Durch steigende Steuereinnahmen und finanzielle Beteiligungsoptionen (wie von einigen Bundesländern bereits gesetzlich verankert) profitieren die kommunalen Haushalte. Durch die Partizipation und Mitbestimmungsmöglichkeiten steigt die Akzeptanz für die Energiewende. Zudem werden Kapital und Einfluss auf dem Energiemarkt breiter gestreut, der Energiemarkt wird dadurch demokratischer, was die Abhängigkeit von wenigen Erzeugern reduziert. Bürgerenergieprojekte ermöglichen oft auch Anschlussprojekte. Nicht selten werden nach dem Bau einer Photovoltaikanlage auch Nahwärmegenossenschaften gegründet oder es entstehen Carsharing-Angebote. Durch ihre aktivere Beteiligung an Energiegemeinschaften interessieren sich die Bürger*innen stärker für die Energieversorgung und erwerben damit neue Kompetenzen.

Verschiedene erfolgreiche Geschäftsmodelle haben sich etabliert. Kommunale Dächer und Flächen werden an Energiegenossenschaften verpachtet, die PV- und Windanlagen planen, finanzieren, bauen und betreiben. Die EGIS eG in Neuötting nutzt Lärmschutzwände für PV und realisiert Tiefengeothermie-Projekte mit Bürgerbeteiligung. Nahwärmegenossenschaften wie Weiler Wärme eG und Nahwärme Pfofeld eG planen und bauen ein Nahwärmenetz gekoppelt mit der Verlegung eines Glasfaserkabels. Der Landkreis Steinfurt bündelt Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie Kommunen zu einem gemeinnützigen Verein und einer Energiegenossenschaft. Gemeinsam haben sie Bürgerenergie-Leitlinien erarbeitet. Die Bürgerenergiekarte des Bündnis Bürgerenergie zeigt einen guten Überblick, welche Energiegemeinschaften wo aktiv sind. 

Ob Kommunen selbst eine Energiegemeinschaft gründen, Mitglied werden oder eng mit einer Gemeinschaft zusammenarbeiten – in jedem Fall werden die Bürger*innen vor Ort beteiligt. Energiegemeinschaften können im Kommunikations- und Beteiligungsprozess stark unterstützen durch frühzeitigen Dialog mit den Bürger*innen und durch einem transparenten Prozess. 

Kommunen und Bürgerenergieakteure stärken die Region und sind ideale Partner einer umwelt- und sozialverträglichen Energiewende. Das Bündnis Bürgerenergie hat hierfür umfangreiches Informationsmaterial erarbeitet. Darüber hinaus bietet es Beratung für Kommunen und Energiegemeinschaften an, in den Themenfeldern Prozessentwicklung, Gründung, Organisationsentwicklung, Projektentwicklung und Finanzierung. Wir freuen uns auf Ihr Interesse und machen Ihnen gerne ein konkretes Angebot.

 

Kontakt: Katharina Habersbrunner, Geschäftsführende Vorständin des Bündnis Bürgerenergie, katharina.habersbrunner@buendnis-buergerenergie.de

Website: www.buendnis-buergerenergie.de